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REISEMAGAZIN: KALOCSA - DIE HAUPTSTADT DES ROTEN GOLDES

Die südliche Tiefebene ist die Obst- und Gemüsekammer Ungarns und das Herz des Paprikaanbaus, des "roten Goldes", das ebenso fester Bestandteil der ungarischen Küche wie der ungarischen Seele ist.
Das ursprünglich aus Mittelamerika stammende Gemüse kam vermutlich über die Türkei nach Ungarn und wurde in früheren Jahrhunderten heimlich hier angebaut, galt es doch als wertvolle Heilpflanze. Die Gutshöfe der Bischöfe bildeten damals die Grundlagen für den Anbau. Als Gewürz gelangte erst Mitte des 19. Jahrhunderts zur Verwendung. Zu dieser Zeit war Szeged das Zentrum des Anbaus, dem Anfang des 20. Jahrhundert von Kalocsa der Rang abgelaufen wurde.
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Die Südliche Tiefebene ist bis heute das größte europäische Anbaugebiet der roten Köstlichkeit. Im Spätsommer, wenn der Paprika reif ist, glühen förmlich die Felder rund um Kalocsa, das zauberhafte Barockstädtchen an der mittleren Donau. Die Häuser leuchten vom tiefen Rot der überall auf Schnüren trocknenden Paprikazöpfe. Die Trocknungsmethode beeinflusst ebenso wie das Mahlverfahren Farbe und Geschmack des Gewürzes.
Das Geheimnis jedoch, warum ein ungarisches Pörkölt, also das Gulasch, in Ungarn so einzigartig schmeckt, liegt in der Zubereitung. Der Paprika muss genau jene Zeitspanne in heißem Fett schwimmen, in der er seine Aromastoffe voll zur Geltung bringen kann, ehe er braun und bitter wird. Und das liegt den Ungarn eben im Blut. Ein besonderes Erlebnis für Einheimische und Gäste ist jedes Jahr die Paprikaernte in Kalocsa, die in den "Paprikatagen" ihren Höhepunkt findet. Bei dieser zweiwöchigen Veranstaltung, die in diesem Jahr vom 9. bis zum 22. September begangen wird, dreht sich alles um das rote Gold.
Begleitet wird das Fest von farbenfrohen Umzügen, Unterhaltungsprogrammen, Konzerten und einem Kochwettbewerb für Paprikaspeisen, die man natürlich auch verkosten kann. Auch aktive Beteiligung an der Ernte ist erwünscht und wird mit Wein, Schnaps und Pogatschen belohnt. Man kann auch seine eigenen Paprikazöpfe flechten und als Erinnerung mit nach Hause nehmen.
Keine Überraschung, dass es auch ein eigenes Paprikamuseum gibt. Hier werden Geschichte, Anbau und Verarbeitung anschaulich demonstriert, zusammen mit Exponaten von Arbeitsgeräten und alten Schriften, die unter anderem über die Anwendung als Medizin berichten.
Beim Stadtrundgang durch die tausendjährige Stadt entdeckt man schnell noch andere Attraktionen. Etwa den Dom und das Erzbischöfliche Palais aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, mit der Erzbischöflichen Schatzkammer und der Bibliothek, wertvollen Fresken von Maulbertsch und unschätzbare Pergamente und vieles mehr.
(ecada/Alexander Bagnioli)